Mittwoch, 21. Januar 2009 11:21
Die Unsicherheit bei den offenen Immobilienfonds hält an: Jetzt haben auch Morgan Stanley und die Kapitalanlagegesellschaft TMW Pramerica Property Investment GmbH angekündigt, die Schließung ihrer offenen Immobilienfonds um bis zu neun weitere Monate zu verlängern. Grund hierfür seien die anhaltenden Turbulenzen an den Finanz- und Immobilienmärkten und die drohende Gefahr einer zu niedrigen Liquiditätsquote. Immerhin kündigte TMW Pramerica Property Investment aber an, bestehende Auszahlpläne ab sofort wieder auszuführen, wobei die Gelder hierfür aus dem Vermögen der Kapitalanlagegesellschaft und nicht des Fonds entnommen würden, nachdem die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) dies zwischenzeitlich untersagt hatte.
Die Zahl der Anbieter, der sich gegen eine Wiedereröffnung eines offenen Immobilienfonds entschieden hat, summiert sich damit bereits auf drei. Als erster im Bunde hatte dies Credit Suisse getan, deren Geschäftsführung vergangenen Freitag bekannt gab, dass man die Schließung des Credit Suisse Euroreal – das 6,5 Milliarden Euro schwere Flaggschiff unter den derzeit geschlossenen Immobilienfonds – für bis zu neun weitere Monate aufrecht erhalte, da sich „das Marktumfeld noch nicht weit genug beruhigt” habe, „um ausreichend Liquidität für die Öffnung des Fonds zu generieren”, wie Geschäftsführer Karl-Heinz Heuß konstatierte.
Auslotung des Marktsentiments
Inwieweit andere Anbieter dem Exempel der drei folgen, wird sich bereits in den nächsten Tagen zeigen: denn dann läuft für das Gros von ihnen ebenfalls die erste Sperrfrist ab, die sie ihren offenen Immobilienfonds auferlegt haben um einen massiven Abzug von Anlegergeldern entgegenzuwirken, der Ende Oktober 2008 eingesetzt hatte: In kurzer Zeit hatten Anleger über fünf Milliarden Euro aus der Assetklasse abgezogen.
Sicher ist: der Countdown läuft, allen voran für Kan-Am, der Ende Oktober als erster Anbieter, die vorübergehende Schließung eines offenen Immobilienfonds ankündigte und wenig später auch die Rücknahme von Anteilscheinen für sein zweites Produkt aussetzte (siehe unten).
Kan-Am hat bereits angedeutet, dass man sich erst kurz vor Ablauf der Frist entscheiden werde, ob man diese verlängert oder nicht. Um sich die Entscheidung zu erleichtern und das Sentiment am Markt auszuloten, hat die Gesellschaft Fragebögen an 5000 Vertriebspartner geschickt, in dem diese sich bis zum 15. Januar dazu äußern sollten, in welcher Größenordnung sie Anteilskäufe, respektive Verkäufe planen. Die Auswertung läuft und dürfte wesentliche Auswirkungen auf den Entscheid haben. Gleiches gilt auch für die komplette Neubewertung des Immobilienportfolios, die Kan-Am parallel in Auftrag gegeben hat.
Zwei Jahre Schließung eine Option
Es bleibt abzuwarten, welche Anbieter sich für eine Verlängerung der Rücknahmefrist entscheiden werden. Laut Investmentgesetz kann die Rücknahme von Anteilscheinen zumindest theoretisch bis zu zwei Jahre lang ausgesetzt werden – zunächst ein Jahr mit der Option auf Verlängerung um ein weiteres Jahr – und danach steht es den Anbietern offen, ob sie die die in dem Fonds gehaltenen Objekte dann veräußern, oder zunächst erstmal beleihen – was unbegrenzt möglich ist – um sich Liquidität zu beschaffen.
Börsenhandel weiter möglich
Dass die Schließung von offenen Immobilienfonds allerdings nicht automatisch mit einem Wertverlust der Anteile einhergehen muss, zeigt der Blick auf die Rücknahmepreise, die von den geschlossenen Fonds auch weiterhin gestellt werden und keine auffälligen Wertverluste erkennen lassen. Wer dringend Geld benötigt, hat zudem die Option, seine Anteile von derzeit geschlossenen Immobilienfonds über die Börse zu verkaufen, wobei dies allerdings mit Abschlägen in Höhe von vier bis sechs Prozent einhergeht, wie eine Studie des Fondsanalysehaus Lipper herausgefunden hat – wobei die Transaktionskosten hier noch nicht einkalkuliert sind.
Das Angebot, Anteile von offenen Immobilienfonds über die Börse zu handeln, erfreut sich ungeachtet dessen großer Beliebtheit: schon seit Wochen zählen offene Immobilienfonds zu den Handels- und Umsatzkönigen an der Börse Hamburg – nicht zuletzt auch, weil etliche Investoren die Gelegenheit nutzen, das eigene Portfolio zu günstigen Kursen aufzustocken.
Anbieter, die die Notbremse zogen
Lange Zeit galten sie als relativ sichere und stabile Wertanlage, doch im Zuge der Finanzkrise und der anhaltenden Marktturbulenzen sind offene Immobilienfonds zunehmend unter Druck geraten. Im Oktober 2008 hatte es massive Mittelabflüsse in dem Segment gegeben, welche die Liquiditätsquote der einzelnen Anbieter deutlich schmälerte. In der Konsequenz wurde binnen fünf Tagen (27.10. – 31.10.) bei insgesamt zwölf offenen Immobilienfonds die Rücknahme von Anteilscheinen ausgesetzt – die es zusammen auf ein Gesamtvolumen von rund 34 Milliarden Euro nbringen was einem Drittel des Markts entspricht – sowie bei einem rein institutionellen offenen Immobilienfonds. Bei zehn der Fonds wurde die Sperrfrist dabei zunächst auf drei Monate befristet, während die UBS für ihre beiden offenen Immobilienfonds hier direkt einen Zeitraum von sechs Monaten ansetzte.
Den Anfang machte die Gesellschaft Kan-Am, die zunächst die Rücknahme von Anteilen des US-Grundinvest Fonds mit Wirkung zum 27. Oktober 2008 aussetzte, bevor kurz darauf auch die Anteilscheinrücknahme für den zweiten Grundinvest Fonds eingestellt wurde. Binnen fünf Tagen folgten neun weitere Anbieter dem Exempel und gaben eine vorübergehende Schließung ihrer offenen Immobilienfonds bekannt. Dabei handelte es sich um den TMW Immobilien Weltfonds, den SEB ImmoInvest, den DJE Real Estate P, den HCI Real Estate G 7, den Credit Suisse Euroreal, den DEGI Europa und den DEGI International, den AXA Immoselect, zwei offene Immobilienfonds aus dem Hause UBS sowie den rein institutionellen Catella Immobilienfonds Focus Nordic Cities. (ir)
Quelle: FONDS professionell ONLINE
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